Zur Anlage einer Obstwiese,
Pflanzanleitung, Baumpflege...

Ehe Sie mit einer Pflanzaktion beginnen, sind verschiedene Vorüberlegungen nötig. Schauen Sie sich das Pflanzgelände und dessen Umgrenzung genau an:

  • Besteht ein natürlicher Windschutz ?

  • Ist eine ausreichende Sonneneinstrahlung gewährleistet?

  • Ist das Gelände früh- oder spätfrostgefährdet, eventuell ohne Kaltluftabzugsmöglichkeiten ?

  • Wie sind die Bodenverhältnisse und die Vegetationsdecke beschaffen ?

  • Sollte vorher ein Umbrechen der Ackerkrume und eine Neueinsaat erfolgen?

Rechnen Sie aus, wieviele Bäume auf dem Gelände Platz haben, wenn pro Hochstamm 80-120 Quadratmeter benötigt werden. Entwerfen Sie einen Pflanzplan und stecken Sie die Pflanzstellen mit Stäben ab. Ordnen Sie die Sorten nach Wüchsigkeit und Empfindlichkeit: die starkwüchsigen robusten als Windschutz und als Begrenzung auf die Nord- und Westseite, die schwächeren und kleinwüchsigen auf die Süd- oder Lichtseite. Achten Sie darauf, daß unter den zu pflanzenden Bäumen auch Pollenspender (Vatersorten) sind, die zu den Muttersorten passen, falls im Umkreis von etwa einem Kilometer keine weiteren Obstsorten stehen (Hinweise zu den Befruchtungsverhältnissen und eine Liste mit geeigneten Pollenspendern, finden Sie hier).

Achten Sie darauf, dass die Bäume vor dem Pflanzen nicht lange mit nackten Wurzeln im trockenen Wind liegen. Ein provisorisches Einschlagen, bei dem die Wurzeln nur wenig mit feuchter Erde bedeckt werden, hilft.

Platz und Abstand
Pflanzen Sie einen hochstämmigen Obstbaum in einen nährstoffreichen Boden, so sollten Sie sich klarmachen, wie breit und wie hoch er bei normaler Entwicklung in ca. 30 Jahren sein wird. Die Wüchsigkeit der einzelnen Sorten ist unterschiedlich: Während der 'Schöne von Boskoop' eine Höhe von 8 m und einen Kronendurchmesser von 12 m erreichen kann, begnügt sich zum Beispiel der 'Weiße Klarapfel' meist mit einer Kronenbreite von oft nicht mehr als 6 m.
Damit die Obstwiese späterhin nicht zu einem lichtundurchlässigen 'Urwald' wird, müssen unbedingt Pflanzabstände eingehalten werden, die bei hochstämmigen Bäumen zwischen 10 und 12 Metern liegen.

Wie lassen sich die Bäume auf der Obstwiese anordnen ?
Hier gibt es viele verschiedenen Möglichkeiten. Sehr verbreitet war früher die Reihenpflanzung, in bergigen Gebieten oft entlang der Höhenlinien. Dabei pflanzte man in Reihen 'auf Lücke' oder im 'Verband', damit die Kronen sich möglichst nicht berührten. (Abb. 1 und 2)

Abbildung 1

Abbildung 2

Heute pflanzt man Obstbäume auch gerne in Gruppen, die je nach Wuchsstärke und Befruchtungsverhältnissen zusammengefügt sind und in ungleichmäßigen Abständen zueinander stehen. Auf solch einer Obstwiese gibt es dann eine ökologisch hochwertige Kombination von Verdichtungs- und Freiräumen. (Abb. 3 und 4)

Abb. 3

Abb. 4

Die Gruppenzusammensetzung kann nach verschiedenen Kriterien ausgewählt werden, zum Beispiel:

Gruppe 1: Lokalsorte
Gruppe 2: bekannte historische Sorten
Gruppe 3: Renetten, (Graurenetten, Goldrenetten etc.)
Gruppe 4: Kalvillen usw.(Weihnachtsäpfel, verschiedene Sommeräpfel, Lagersorten)

Bei dieser Gruppenpflanzung sollte man darauf achten, daß die stärkerwüchsigen auf der Nord- und Westseite und die schwächerwüchsigen auf der Südseite nach dem Prinzip der Sonnenfallen zu stehen kommen.

Zu den Bodenverhältnissen
Kernobst bevorzugt lehmigen Boden. Deshalb entwickeln sich viele Apfelsorten bei extensiver Haltung zum Beispiel mit mageren Geestböden nicht sehr gut. Beantworten Sie sich in diesem Fall vor der Sortenauswahl folgende Frage: Welche Sorten stehen in Ihrer Region, welche Sorten haben sich in der Vergangenheit bewährt ?
Falls Sie es selbst nicht wissen, fragen Sie Ihre Nachbarn nach alten angepassten Sorten, die den Bodenverhältnissen und der klimatischen Situation entsprechen. Gehen Sie kein Risiko mit Sorten ein, die einen wohlklingenden Namen haben, aber sich bald nach dem Pflanzen von Ihnen verabschieden.

Pflanztermin
Die Pflanzzeit von Obstgehölzen erstreckt sich von Mitte Oktober bis ca. Mitte April. Die günstigste Zeit ist jedoch der Herbst, weil die jungen Bäume dann in dem noch relativ warmen Boden erste Wurzeln bilden können, die ihnen beim Austrieb im Frühjahr nützlich sind. Frühjahrspflanzungen müssen je nach Bodenverhältnissen des öfteren gewässert werden, was bei der Herbstpflanzung im Allgemeinen entfällt.

Ausheben des Pflanzloches
Die Pflanzlöcher sollten bei hochstämmigen Bäumen etwa 60 cm breit und mindestens zwei Spatenstiche tief (40 cm) ausgehoben werden. Dabei soll darauf geachtet werden, daß nach dem Abstechen des Rasens die darunter liegende belebte obere Erdschicht nicht mit der darunterliegenden vermischt wird. Es enstehen also an jedem Pflanzloch drei Haufen: Rasenabstich, obere Bodenschicht und die untere Bodenschicht. Ist die vorgegebene Lochtiefe erreicht, wird der Grund des Lochs umgegraben und durchlüftet und gleich wieder festgetreten. In wühlmausgefährdeten Gegenden sollte zum Schutz der Wurzeln ein feinmaschiger Draht (Korb) in das ausgehobene Loch eingebracht werden, dessen Rand aus dem Boden herausragt.

Das Setzen der Pfähle
Jeder Baum bekommt je nach vorgesehener Flächen-Nutzung zwei bis drei Pfähle. Bei geplanter Beweidung der Obstwiese sind drei Pfähle (8 cm Durchmesser) notwendig, die bei Rinderhaltung durch oben aufgesetzte Latten stabilisiert werden müssen. Falls eine Beweidung nicht vorgesehen ist, reichen in winddisponierten Lagen zwei Pfähle (Nordosten und Südwesten des Baumes). In windstillen Lagen reicht ein Pfahl auf der Südwestseite des Stammes. Die Pfähle werden vor der Pflanzung des Baumes am Randes des Pflanzloches gesetzt (eingeschlagen). Der Pfahl wird soweit eingeschlagen, dass sich das Ende unterhalb der Baumkrone befindet.

Das Pflanzen des Baumes
Stehen die Pfähle, kann der Baum gepflanzt werden. Dabei wird der Boden in der Reihenfolge eingefüllt, wie er ausgehoben wurde. Bei verdichtetem Untergrund kann ein Bodenverbesserer (Vermischung mit Kompost oder Lauberde) für eine bessere Durchlüftung sorgen. Der Baum wird so tief eingepflanzt, wie er bei der Anzucht in der Baumschule gestanden hat: Die Veredelungsstelle (Stammverdickung oberhalb des Wurzelansatzes) muß nach dem Pflanzen ca. 10 cm aus dem Boden herausragen. Der Boden wird nach dem schichtweisen Einfüllen festgetreten, wobei der Baum in der vorgesehenen Höhe stehen bleiben soll. Er wird also beim Festtreten auf dem geplanten Niveau gehalten bzw. wieder leicht nach oben gezogen. Bei lockerem Untergrund empfiehlt es sich, schon den zuerst eingefüllten Unterboden festzutreten, damit der Baum nicht später mit dem gesamten Lochinhalt absackt. Dabei könnte auch die Veredelungsstelle des Baumes im Boden versinken. (Abb.5)

Abb. 5

Anbindung
Steht der Baum nun fest zwischen den Pfählen so wird er angebunden. Dazu eignet sich Kokosband in einer Länge von ca. drei Metern pro Baum mit zwei Pfählen. Dieses wird zweigeteilt und von jeder Seite zweimal vom Pfahl aus um Pfahl und Baum geschlungen und dann vom Baum her zum Pfahl zurück fest umwickelt, so dass die Anbindung gleichzeitig als Abstandhalter dienen kann. Die Enden werden um den Pfahl gelegt und mit einer Krampe befestigt. Ganz wichtig ist, dass in der Anbindung am Stamm etwas Freiraum bleibt; sonst kann das Dickenwachstum empfindlich gestört werden. (Abb. 6)

Abb. 6

Anbringen des Verbissschutzes
In freier Lage und auf eingefriedeten Flächen, die beweidet werden, benötigen die jungen Bäume einen Verbissschutz gegen Wild- und Haustiere. Deshalb empfiehlt es sich, ein Stück Maschendraht um die Stützpfähle zu spannen. Bei Beweidung durch größere Haustiere sollte es sich um ein stabiles Drahtgeflecht handeln. Damit das Stützgestell dem Druck der sich scheuernden Tiere widersteht, sollten die dann notwendigen drei Pfähle durch eine verbindende Latten stabilisiert werden.
Mit weniger Aufwand lassen sich die Stämme der Bäume mittels einer Kunstsoff-Spirale vor kleineren Einwirkungen schützen. (Abb 7)

Abb. 7

Der Pflanzschnitt
Obstbäume für die Landschaft sollen auf starkwachsenden Unterlagen oder Sämlingen veredelt sein.Sorten, die auf den heute weit verbreiteten Stecklingsunterlagen stehen, wurzeln meist nicht ausreichend, um den Baum dauerhaft im Boden zu verankern und werden gewöhnlich nicht so alt, wie die Bäume auf dem 'Wildling'.
Durch das Roden des Baumes aus dem Anzuchtbeet der Baumschule wurde sein natürlich aufgebautes Gleichgewicht zwischen den Wurzeln und der Krone empfindlich gestört. Wir müssen deshalb die Krone der jetzt verminderten Wurzelkapazität anpassen, indem wir sie verkleinern. Dies kann entweder nach der Pflanzung im Herbst oder erst im Frühjahr nach der Pflanzung geschehen.
Der junge Baum hat eine Stammverlängerung und manchmal mehr als fünf Leittriebe (Äste). Wir wählen von diesen Leittrieben rundherum drei bis vier kräftige aus und kürzen sie mit einer scharfen Rosenschere über einem nach außen zeigenden Auge (Knospe) in möglichst gleicher Höhe ab. Dabei können je nach Wüchsigkeit des Baumes ein Drittel bis die Hälfte der Länge der Leitäste abgeschnitten werden. Den Mittelast / die Stammverlängerung schneiden wir so zurück, daß er eine Handbreit höher steht als die Leitäste. Die übrigen Äste werden entfernt. (Abb. 8)

Abb 8

Die Pflege nach den ersten Jahren
Erfahrungen aus anderen Obstwiesen-Projekten zeigen, dass schon bei der Planung der Baumpflanzung an die spätere Betreuung und Pflege der Obstbäume gedacht werden muss. Eine regelmässige Kontrolle von Anbindung und Verbissschutz, die Erneuerung der Mulchschicht bzw. das Freihalten der 'Baumscheibe' in den ersten Jahren, Schnittmaßnahmen zur stabilen Kronenbildung und baumchirurgische Maßnahmen bei Stammverletzung oder Baumkrebsbefall sind notwendig.

Förderung von Nützlingen
Stellen Sie je nach Größe der Obstwiese eine oder mehrere Sitzstangen für Greifvögel auf, damit die jungen Obstbäume nicht als Sitzwarten genutzt werden und die Mäusepopulation von Anfang an in Grenzen gehalten wird. Sobald die jungen Bäume tragfähig genug sind, sollten sie Unterschlüpfe für Ohrwürmer (Blumentopf mit Holzwolle), Brutmöglichkeiten für Insekten und später Nisthilfen für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter anbringen.

Zurück zum
Servicebereich

zur
Startseite

last modified 28.03.2001