Neuzugang im Pomarium

Seltenes historisches Sortenwerk zu Obstbaumzucht

Neuzugang im Pomarium Anglicum

Meinolf Hammerschmidt freut sich über eine Bereicherung für das Obstmuseum Pomarium Anglicum in Sörup-Winderratt. Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo überreichte dem Vorsitzenden des Pomariums aus seiner Privatsammlung ein seltenes Sortenwerk aus dem Jahre 1797. Der Pomologe (Obstkundler) und Pfarrer Johann Ludwig Christ beschreibt auf über 800 Seiten im  „Handbuch über die Obstbaumzucht und Obstlehre“ mehr als 760 Kernobstsorten . Der Obstkundler Friedrich Röver urteilte im Jahre 1820 über das Buch: „ohne allen Streit das beste deutsche Werk, das über die Baumzucht erschienen ist, und den Wert auch sicher behalten wird.“

 

Beim ersten Blick ins Buch entdeckte Meinolf Hammerschmidt sofort einen interessanten Beitrag zur Apfelsorte Gravensteiner: „Eine Kalvillart aus Italien, zuerst im Schleswigschen angepflanzt, daher er den Namen vom Schlosse Grafenstein allda führt. ….(Der Pomologe) Hirschfeld machte den Apfel vorzüglich bekannt, und sagt von ihm: daß er der König unter den Äpfeln, wenigstens unter den niedersächsischen sey. … Allein, ich fand anfänglich diese Frucht des bemeldeten Lobs nicht ganz würdig, und erklärte solches in der vorigen ersten Auflage dieses meines Handbuches für übertrieben. Aber gleich darauf schickte mir ein pomologischer Freund aus Schleswig ein Bäumchen nebst prächtigen Früchten, die ich ganz vortrefflich fand.“ Der Obstfreund wies in seinem Brief darauf hin, dass die Apfelsorte Gravensteiner sehr empfindlich reagiert, wenn sie auf einer falschen Unterlage veredelt wird.

- Meinolf Hammerschmidt bestätigt, dass falsche Unterlage und falscher Standort dazu beitragen, dass dieser hervorragende Tafelapfel unterschiedlich reift und bewertet wird.

 

Willi Hennebrüder hatte neben dem historischen Werk noch Edelreiser seltener Apfelsorten im Gepäck: die aus Frankreich stammende Sorte Winterrambur, die schon im 18ten Jahrhundert vom Pomologen Henri Louis Duhamel du Monceau beschrieben wurde. Da es häufig zu Verwechslungen mit dem Rheinischen Winterrambur kam wurde die Sorte 1904 in Eifeler Rambur umbenannt, weil sie in der Region weit verbreitet worden war.

Als weitere Raritäten brachte er Reiser vom Deutschen Goldpepping und dem prächtigen Purpurroten Wintercousinot mit. Ob es sich bei letzterem um den echten handelt, dessen Früchte sich laut alter Literatur im Naturlager bis Mai - Juni halten, muss sich erst noch zeigen. Auf dem Baumschulmarkt wird derzeit nur ein Herbstcousinot angeboten, der bis November-Dezember haltbar ist.

 

Diese neuen Sorten sind nach Meinolf Hammerschmidt eine wertvolle Ergänzung zu den bereits vorhandenen über 700 Sorten im Obstmuseum.

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