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Vorgeschichte des Obstmuseums
Ein ca. 150 Jahre alter Apfelbaum der Sorte "Angelner Herrenapfel",
noch immer in einem Ortsteil von Sörup lebendig, war der Ausgangspunkt der Obstsortensammlung,
die erst viel später zum lebenden "Obstmuseum" wurde.
Das jetziges Obstmuseum 'Pomarium Anglicum' besteht aus 3 Teilen, die nacheinander
entstanden, bzw. "gewachsen" sind.
Der erste Teil hinter dem Bauerngarten, der zum Haushalt der Familie gehört, ist
der älteste Teil auf der ehemaligen Hauskoppel, auf der früher die Kälber
oder die Kühe abends nach dem Melken grasten. Hier stehen ca. 700 verschiedene
Apfelsorten, die z. T. schon Mitte der 80er Jahre gepflanzt wurden, also entsprechend
groß sind, wie z.B. der Blutrote Gravensteiner, Holsteiner Cox, die Eschenbacher
Mostbirne oder der Walnuss-Sämling. Immer neue Sorten wurden im Laufe der Jahre
nachgepflanzt, am Knick entlang und hinter der Mirabellenhecke am Hühnerhof.
Aus dieser Sammlung werden im Winter die Reiser für die Vermehrung in der Baumschule
Alte Obstsorten geschnitten. Damit alte Sorten nicht vollkommen verschwinden, werden
immer wieder andere Sorten vermehrt. Aus diesem ältesten Teil des Obstmuseums
stammt das Obst, das nach den Führungen zur Verkostung angeboten wird. Mehrere
Obstausstellungen auf den Apfeltagen und ähnlichen Veranstaltungen in Schleswig-Holstein
und Hamburg werden aus diesem Sortengarten bedient.
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Cordon-Binden
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Beim Binden eines Schrägspaliers
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Als 2004 der Platz für die immer neu hinzukommenden Sorten nicht ausreichte, wurde
auf der anderen Straßenseite ein neues Quartier vor allem für die zusammengetragenen
Birnensorten eingerichtet. Hier befinden sich auch einige wenige Exemplare von Malus
sieversii, einem Wildapfel aus China
Das Obstmuseum "Pomarium Anglicum" in Winderatt
Mitten in Angeln, Deutschlands nordöstlichstem Zipfel in leicht hügeliger
Grundmoränenlandschaft befindet sich das Obstmuseum in Winderatt. Von hier sollen
die Angeln und die Sachsen im 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. nach England ausgewandert
sein. Gut 700 verschiedene Apfelsorten, ca. 130 Birnensorten, dazu Steinobst und Mispeln
gedeihen hier geschützt hinter Knicks auf einer ehemaligen Hauskoppel, auf der
früher Kälber weideten.
Wie in einer Arche sammelt Meinolf Hammerschmidt hier alte Obstsorten. Angefangen hat
alles mit einem Angelner Herrenapfel, von dem es weit und breit nur einen ca. 150 Jahre
alten Baum gab. Inzwischen hat er viele junge Bäume dieses sehr wohlschmeckenden
duftenden Apfels "unter die Leute gebracht". Viele andere, selten gewordene
oder fast vergessene Apfelsorten wie der "Schaalbyer Rosen", "Prinzenapfel"
oder "Zwiebelborsdodrfer" haben hier wieder ihren Platz gefunden.
"Annelieses Wilder" ist vermutlich irgendwo im Knick aus einem weggeworfenen
Kernhaus gewachsen. Nach Personen oder Familien sind auch der "Jessenapfel",
"Gretapfel", "Iversenapfel" oder "Johannsens Roter Herbstapfel"
benannt. Der letztgenannte, ein köstlich saftiger Tafelapfel, ließ sich
unter diesem Namen nur schwer vermarkten und wurde von den klugen Vierländer Bauern
oder der anspruchsvollen Hamburger Kundschaft kurzum in "Ruhm von Kirchwerder"
umbenannt.
Viele Sorten kamen in früheren Jahrhunderten aus anderen Regionen in den Norden,
wie man unschwer an ihren Namen erkennen kann. Da gibt es die vielen "Schöner
von": "Pontoise" (Frankreich), "Boskoop", (Holland), "Bath"
(England), "Herrnhut" (Sachsen). Wenn die Aussprache schwierig wurde, passte
man sie der jeweiligen Region und ihrer Mundart einfach an: Aus der hervorragenden
kleinen Tafelbirne "Beurré Gris"(Graue Butterbirne) wurde "Grisbirne",
"Gute Graue" und "Grauchen".
Innerhalb einer oder vielleicht zweier Generationen hat sich ein merklicher Wandel
vollzogen von der Selbstversorgung mit vielen verschiedenen Obstsorten hin zum ausschließlichen
Konsum von wenigen "Supermarktsorten" (Golden Delicious, Granny Smith, Elstar)
Dem globalisierten Menschen ist das Gefühl für Jahres(Lebens)rhythmen verloren
gegangen: Er kann im Winter in warme Länder fliegen und Tulpen, Flieder und Grüne
Bohnen auch zu Weihnachten kaufen. Da frische Äpfel das ganze Jahr verfügbar
sind, stimmt es nicht mehr, dass "alles seine Zeit hat". Die Freude über
den ersten halbreifen vielleicht wurmstichigen Augustapfel "Schöner von Bath"
oder "Roter Astrachan" oder auch "Weißer Klarapfel" ist abhanden
gekommen. Ein runzliger oder gar mehliger Apfel wird als ebenso wertlos und überflüssig
empfunden wie das menschliche Altern. Dabei schmeckt ein "Finkenwerder Herbstprinz"
oder "Weißer Winterglockenapfel" erst richtig, wenn er runzlig ist.

Die Verwendung von Äpfeln und Birnen war früher differenziert und vielseitig:
"Jakob Lebel" und "Schöner von Boskoop" waren wichtig zum
Kuchen backen, für die Herstellung von Apfelmus, letzterer auch als Bratapfel,
Der "Angelner Borsdorfer" blieb auch nach dem Einkochen noch fest und weiß
und war somit Kompott geeignet. "Süderhex" wurde in Angeln zusammen
mit der Leber gebraten und die Weihnachtsgans mit "Borsdorfer Renetten" gefüllt.
Auch hatte jede Region ihren Weihnachtsapfel, z. B. den "Purpurroten Cousinot"
in Nordeutschland oder die "Rote Sternrenette" in Westfalen, der "Rote
Pison" in Nordschleswig heißt in Südschleswig Püsson. ".("Pison"
ist die verdeutschte Form von "Pigeon", Taubenapfel. In Südjütland
wurde daraus "Püsson".) Blank poliert hingen sie leuchtend rot am Weihnachtsbaum
oder lagen auf dem Teller und verströmten Weihnachtsduft.
Im Sommer und Herbst, wenn die Früchte im Laub verführerisch leuchten, ist
das lebende Obstmuseum "Pomarium Anglicum" für die Öffentlichkeit
geöffnet . Bei den Führungen werden zu vielen Sorten Geschichten oder Anekdoten
über die Herkunft des Apfels oder des Namens erzählt, z.B die Geschichte
von "Stina Lohmann". Dieser feste süß-säuerliche Apfel wurde
nach einer Frau aus Kellinghusen benannt, die Ende des 19. Jahrhunderts noch im Frühjahr
Äpfel an Kinder und Bedürftige verschenken konnte, wenn alle anderen Äpfel
schon längst verrottet waren. Nach jeder Führung wird ein vielfältiges
Obstbuffet angeboten und überrascht die Besucher mit dem unterschiedlichen Geschmack
der Früchte. So mancher findet so seinen Kindheitsapfel wieder, wenn Duft und
Geschmack alte Erinnerungen wachrufen.
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Der europäische Apfel "Malus x domestica", stammt aus China. Von dort
kommt der noch in den Wäldern wachsende Wildapfel Malus sieversii, der Ursprung
unseres Apfels, der vor mehr als 4000 Jahren seine Reise über die Seidenstraße
nach Kleinasien und Europa antrat. Weitere chinesische Wildapfelarten sind in einem
Teil des Sortengarten zusammen gepflanzt, die vom Blatt so unterschiedlich sind, dass
sie kaum dem Apfel zuzuordnen sind. Der europäische Wildapfel Malus sylvestris
ist in mehreren Typen vorhanden.
In Europa ist der Apfel vor allem in Klöstern und Herrschaftsgärten vermehrt,
veredelt und verehrt worden. Seine kulturhistorische Bedeutung schlägt sich in
allen Bereichen der Kunst, Philosophie und Mythologie nieder. Das Obstmuseum geht darauf
ein, will die alten Obstsorten mit ihrer genetischen Vielfalt im lebenden Sortengarten
für die Zukunft erhalten und nicht in Genbanken.
Ab 2008 sind neu angelegte Themengärten, z.B. das Obst im Barock- und im Klostergarten
für die Öffentlichkeit zugänglich. Für Gruppen ab 15 Personen bieten
wir Extra-Führungen an. Achten Sie auf die Veröffentlichungen.
Themengärten
2008, im Jahr der ersten Landesgartenschau in Schleswig-Holstein werden zum ersten
Mal Themengärten für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Das Obst im Barockgarten
Auf den herrschaftlichen Tafeln lagen Äpfel, die uns heute noch bekannt sind wie
z.B. die Goldparmäne oder der Rote Herbstkalvill. Sie wurden meist im kunstvollen
Spalier gezogen, denn der Garten war auch ein Ort, an dem man sich an Formen, Farben,
Aussichten u.a.m. erfreute. Figuren und Brunnen, Lauben und Sitzgelegenheiten dienten
der geistigen und körperlichen Entspannung und Kommunikation.

Das Obst im Klostergarten
Den Mönchen in den Klöstern des Mittelalters sind vor allem die Verbreitung
von Kräutern, Gemüse und Obst zu verdanken. So ist der Borsdorfer (Porstendorfer,
Porsdorfer u.ä.) um 1000 n. Chr. von den Zisterzienser Mönchen verbreitet
worden. Noch heute findet man den Borsdorfer in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands,
z. B. Angelner Borsdorfer, Doberaner Borsdorfer, Roter bzw. Gelber Münserländer
Borsdorfer, Schlesischer Rotborsdorfer,
In Potsdam steht noch eine Borsdorfer
Herbstrenette, die im Jahre 1887 nachweislich geplanzt wurde.
Folgende Themengärten sind in Planung, bzw. in der Vorbereitung:
Der Garten der Alma de l´aigle
Der Burggarten
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