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Wenn sich auf einem Stamm z.B. verschiedene Apfelsorten befinden, spricht man von einem
Mehrsortenbaum. Bekannt waren sie schon vor 100 und mehr Jahren. Restbestände
sind noch heute in Alleen oder Obstwiesen zu finden.
Mehrsortenbäume finden aber auch heute wieder zunehmend Interesse bei Gartenbesitzern.
Warum mehrere Sorten auf einem Baum zusammengestellt wurden und werden, hat unterschiedliche
Gründe: Der Hauptgrund ist wahrscheinlich das kleine Gartengrundstück, der
begrenzte Platz für Obstbäume. Ein Apfelbaum mit mehreren Sorten erfüllt
den Wunsch nach Vielfalt.
Ein weiterer Grund ist möglicherweise der fehlende Pollenspender, z. B. die Sorten
"Schöner von Boskoop", "Jakob Lebel", "Goldrenette von
Blenheim" oder "Gravensteiner" sind reine Muttersorten und benötigen
für die Befruchtung einen Pollenspender. Sind die nächsten Bäume zu
weit entfernt oder liegt die Blütezeit weit auseinander, so kann man die Fruchtbarkeit
dadurch erhöhen, indem man einen passenden Pollenspender hinzufügt. Die Goldparmäne
z.B. ist eine wohlschmeckende und pollenreiche Vatersorte.
Die Experimentierfreudigkeit des Gartenbesitzers kann ein weiterer Grund sein.
Die Anzahl der Sorten auf einem Baum ist abhängig von der Wünschen des Besitzers.
Sie kann von 2 Sorten bis zu mehreren Dutzend betragen. In der Literatur wird sogar
ein Baum mit 300 verschiedenen Sorten erwähnt.
Für die Zusammenstellung der Sorten spielen unterschiedliche Kriterien eine Rolle:
Möchte man nur einen frühen Apfel und einen Lagerapfel haben, beschränkt
man sich mit einem Zweisortenbaum. Beim Spalierobstbaum bietet sich die Auswahl von
zwei Sorten an, die man auf jeden Arm einer U-Form veredelt. August-, September- und
Oktoberapfel lassen sich auf einen Baum zusammenstellen, z. B. "Schöner von
Bath", "Gravensteiner" und "Holsteiner Cox".
Ein Schleswig-Holstein Sortiment könnte zum Beispiel aus "Angelner Herrenapfel",
"Gelbe Schleswiger Renette", "Martini" und "Seestermüher
Zitronenapfel" bestehen. So lassen sich für jede Region, jeden Boden und
vielleicht der Familientradition entsprechend spezielle Sorten zusammenstellen. Ferner
können Farben ein Kriterium sein, z. B. Liebhaber roter Äpfel würden
den roten "Astrachan", "Baumann Renette" und "Roter Winterstettiner"
wählen. Will man sowohl Tafel- als auch Wirtschaftsäpfel zusammenstellen,
kommen wiederum andere Sorten in Frage.
Wie man sieht, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. - Fast keine, bedenkt man sortenbedingte
Eigenheiten. Bei Äpfel und Birnen gibt es stark und schwächer wüchsige
Individuen. Ein Fachmann muss bei der Zusammenstellung auch die Wüchsigkeit bedenken.
Er würde gegebenenfalls die starkwüchsige Sorte in die Krone setzen und die
schwächer wüchsigen an die Seite. Somit erzeugt er einen ausgeglichenen,
stabil wachsenden Baum.
Die Veredelung auf den Mehrsortenbaum geschieht durch Kopulation oder Pfropfen. Bei
der Kopulation wird das in den Wintermonaten geschnittene Edelreis der gewünschten
Sorte in der gleichen Zweigstärke auf einen Ast des Baumes veredelt. Schon einige
Wochen nach der Veredelung im April bis Mai ist zu erkennen, ob sie gelungen ist.
Die hier für Apfelbäume beschriebene Methode gilt auch für Birnen, Pflaumen,
Kirschen
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