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Wie viel Charme ein altes Gebäude mit Efeu oder Wildem Wein bewachsenen Mauern
ausstrahlen kann, bezeugen nicht nur Cottages in England, sondern auch Haus- und Scheunenmauern
bei uns. Aber nicht nur um die Hinfälligkeit alter Mauern zu verdecken, lassen
sich Hausmauern nutzen. Obstbäume wachsen sehr gut im Spalier bis in den Giebel
des Hauses. Wer mit offenen Augen durch das Land fährt, entdeckt hier und dort
noch ein altes verwildertes Obstspalier, das vor ca. 100 Jahren gepflanzt wurde. Die
Hochzeit des Obstspaliers war zu der Zeit als Südfrüchte weitgehend unbekannt
waren. An der Hauswand ließen und lassen sich jedoch Sorten ziehen, die in südlicheren
Gegenden zu Hause sind.
Mit Spalier, vom italienischen "spalliera" Rückenlehne und "spalla"
Lehne, Schulter abgeleitet, bezeichnet man ein Gerüst zum Befestigen von Pflanzen.
Heute werden die daran gezogenen Bäume auch als Spalier bezeichnet. Neben den
im Erwerbsobstbau häufig verwendeten Freispalieren gibt es die unterschiedlichsten
Formen der Wandspaliere, um die es hier geht.
Spaliere sind Kunstformen, d. h. von Menschenhand geschaffene künstlich geformte
Bäume. Ob der Ästhetik, bzw. der Kunst das Hauptinteresse des Gärtners
oder der Gärtnerin gewidmet ist oder dem schnellstmöglichen Ertrag, bestimmt
die Wahl der Unterlage und hat Einfluss auf die Form des Baumes.
Die einfachste Spalierform ist der Schnurbaum. Verzweigt sich der Stamm nach 2 Seiten
flächenartig, entweder waagerecht, schräg oder senkrecht, so spricht man
von Palmetten. Diese Formen können mannigfaltig sein: einfache oder doppelter
U-Form, Fächerform, Armleuchter, Pyramidenform o.a.. Ob Form oder formlos wird
im ersten Pflanzjahr bestimmt. Die erste Etage bzw. Verzweigung beginnt dort, wo die
einjährige Veredelung vorgenommen wurde.
Spalierbäume brauchen zum guten Gedeihen eine Süd-, Südost oder Südwest-Wand
eines Gebäudes. Die Unterlagen der Spalier-Obstbäume sind in der Regel schwachwüchsig,
d. h. das Größenwachstum ist begrenzt. Die Gestaltung der Form wird dadurch
erleichtert und hat den Vorteil des früh beginnenden Fruchtertrags.
Der Baum wird ca. 20 - 30 cm von der Hauswand entfernt schräg zur Mauer gepflanzt.
Dabei muss wie bei jeder Pflanzung darauf geachtet werden, dass die Veredelungsstelle
(Verdickung) oberhalb des Bodens abschließt. Die Schrägpflanzung hat den
Vorteil, dass der Stamm besser mit Luft umgeben ist und sich die Wurzeln weiter von
der Mauer entfernt ausbreiten können. Somit bekommt der Baum mehr Feuchtigkeit.
Hat man nur die Möglichkeit einen oder gar zwei Spalier-Obstbäume zu pflanzen,
wird man auf die Auswahl des Obstes sehr viel Wert legen. Die geschützte Lage
an der Hauswand, die Sonnendauer erlauben, dass man im Spalier Obstbäume pflanzen
kann, die im Garten oder auf der Obstwiese schlecht oder gar nicht gedeihen würden.
Selbst der Anbau von Pfirschsorten, wie "Kernechter vom Vorgebirge" oder
"Roter Ellerstädter" und Feigen an der Südwand mit Winterschutz
sind möglich. Im rauen Klima können dann auch empfindliche Birnensorten wie
"Clapps Liebling", "Gute Luise von Avranche", "Köstliche
von Charneu", "Doppelte Philippsbirne" oder "Williams Christbirne"
zu reichen Erträgen führen. Bei den Äpfeln sind es "Goldparmäne",
"Ananasrenette", "Cox-Orangenrenette", "Weiße Winterkalvill"
oder "Gravensteiner", die sich gut an der Spalierwand heranziehen lassen.
Natürlich kann man einen fertigen Spalierbaum kaufen. Die jahrelange Anzucht und
Schnittkorrektur, die Befestigung und intensive Pflege machen den Baum jedoch teuer.
Liebhaber und Hobbygärtner können sich diese Kultur durchaus selbst zutrauen.
Um einen Spalierbaum selbst zu ziehen sucht man sich einen passenden schwachwachsenden
Buschbaum aus, dessen Verzweigung ca. 40 - 50 cm über dem Boden beginnt. Unerwünschte
Zweige, z. B. zur Wand wachsende, werden entfernt. Das Formen des Baumes wird bestimmt
durch Biegen im Sommer und gezielten Schnitt im Winter und im Sommer.
In unserer Baumschule führen wir sowohl fertige Obstspaliere als auch Buschbäume
zum Selbstziehen von Spalierobst.
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